Ursachen von Erektionsstörungen

Die Erektion ist ein komplexer biologischer Vorgang, sowohl was die Entstehung als auch die Aufrechterhaltung einer Erektion anbelangt. Hierfür wirken viele einzelne Vorgänge ineinander. Lohnend und interessant ist ebenso einen Blick auf die Risikofaktoren der ED (Studie: Cottbus Survey):

Risikofaktoren der erektilen Dysfunktion
RisikofaktorZusammenhang mit ED
Alter hoch
BMI gering bis nicht vorhanden
Bluthochdruck hoch
Diabetis hoch
Depressiongering bis nicht vorhanden
koronare Herzkrankheit hoch
periphere arterielle Verschlusskrankheit hoch

Mehr zur Häufigkeit der erektilen Dysfunktion finden Sie in dieser Übersicht.

Tritt irgendwo in der Erektions-Abfolge eine Störung auf, kann es zu einer erektilen Dysfunktion kommen. Bevor wir mögliche Ursachen beschreiben können, müssen wir uns den Vorgang bei einer Erektion vergegenwärtigen. Auf unserer Seite „Wie entsteht eine Erektion?“ beschreiben wir die Vorgänge, die bei einer Erektion zusammenwirken, genauer. An dieser Stelle wollen wir den groben Ablauf bei einer Erektion skizzieren:

  1. Sinnliche Reize erreichen das Gehirn und werden dort bewertet.
  2. Das Gehirn sendet Nervenimpulse über den Parasympathikus (das autonome Nervensystem) an den Penis.
  3. Die Nervenenden im Penis setzen Neurotransmitter frei, die wiederum eine biochemische Reaktionskette in Gang setzen. Dadurch erschlafft die glatte Schwellkörpermuskulatur.
  4. Durch die erschlaffte Schwellkörpermuskulatur werden die Hohlräume in den Schwellkörpern (Corpora Cavernosa) selbst größer und Blut kann in ihnen einströmen.
  5. Der Penis vergrößert sich (Tumeszenz) durch das einströmende Blut. Gleichzeitig werden die Venen im Penis durch die ausgedehnten Schwellkörper komprimiert, sodass der Blutabfluss deutlich gedrosselt wird.
  6. Die Kontraktion der Beckenmuskulatur sorgt für die volle Rigidität (Versteifung) des Penis.

Eine Störung kann an vielen Stellen im vorgenannten Ablauf auftreten. Verantwortlich für die Störung können körperliche (organische, physische) oder psychische Ursachen sein. Die heutige Medizin geht generell zunächst davon aus, dass eine erektile Dysfunktion (ED) multifaktoriell bedingt ist, somit immer mehrere Ursachen für die Erektionsstörung vorliegen. Eine klare Unterscheidung zwischen organischen und psychologischen Ursachen ist in vielen Fällen gar nicht möglich – im Gegenteil. Meist liegen die Ursachen der erektilen Dysfunktion in beiden Bereichen (Levine 2003).

Erektionsstörungen bedingen oft psychische Belastungen

Zu bedenken beim Thema Erektionsstörungen ist zudem der gesellschaftliche Druck, der häufig Männlichkeit mit Potenz gleichsetzt. Selbst wenn der Betroffene ursprünglich eine nur organisch bedingte Erektionsstörung hat, führt dies in vielen Fällen zu psychischen Folgeerscheinungen. Mangelndes Selbstwertgefühl, Versagensängste, sozialer Rückzug bis hin zur Depression können dann ihrerseits wieder die erektile Dysfunktion verstärken und verlängern. Dadurch gerät ein Betroffener schnell in einen Teufelskreis aus anhaltenden Erektionsstörungen sowie Stress und Angst, die sich gegenseitig immer weiter verstärken.

Die medizinische Behandlung der erektilen Dysfunktion sollte daher immer ganzheitlich erfolgen. Neben den organischen Ursachen müssen stets auch die potenziellen psychischen Problematiken Berücksichtigung finden. Auf den nachfolgenden Seiten gehen wir noch einmal näher auf die organischen und psychologischen Ursachen der erektilen Dysfunktion ein. Als gesonderten Punkt behandeln wir Medikamente als Ursache für Erektionsstörungen sowie Medikamente als Ursache für Sexualstörungen. Obwohl medikamentöse Nebenwirkungen zu den organischen Ursachen einer erektilen Dysfunktion zählen, verdienen sie eine eigene Betrachtung.


Literatur

  • Levine, Stephen B (2003):
    Erectile dysfunction: why drug therapy isn’t always enough.
    Cleveland Clinic Journal of Medicine, Volume 70, Number 3, Pages 241-246.

    Im Internet: ZusammenfassungArtikel (pdf-Datei)