Wie kann die erektile Dysfunktion (ED) behandelt werden?

Eine Behandlung der erektilen Dysfunktion (ED) kann nur erfolgreich sein, wenn die Ursache der Erektionsstörung hinreichend genau geklärt ist. Die Behandlung und Therapie folgt also stets einer Diagnose. Die ärztliche Hilfe ist also ein wesentlicher Bestandteil bei jeder Form der Behandlung eine erektilen Dysfunktion.

Da die erektile Dysfunktion (ED) selten mehr als eine Ursache hat beziehungsweise viele Umstände zu einer Erektionsstörung bei den meisten Patienten beitragen, sind auch alle Erschwernisse bei der Behandlung weitgehend auszuschließen. Nach der Leitlinie der europäischen urologischen Gesellschaft zur Diagnostik und Behandlung von männlichen Sexualstörungen ist eine Änderung eines schädlichen Lebensstils integraler Bestandteil der Behandlung. Liegen nicht förderliche Lebensgewohnheiten vor, zum Beispiel Rauchen oder Übergewicht, trägt eine Änderung oft wesentlich zu einer erfolgreichen Behandlung der Erektionsstörung bei. Auf der Seite „Wie ändere ich meine Lebensgewohnheiten?“ geben wir Informationen und Tipps.

Was Sie bei der Behandlung vermeiden sollten

Bevor wir zu einigen der üblichen Behandlungsmethoden kommen, wollen wir kurz vor einigen Handlungen warnen, die Sie keinesfalls machen sollten. Eine erfolgreiche Behandlung kann nur mithilfe eines Arztes erfolgen. Experimentieren Sie nicht rum, indem Sie sich beispielsweise selbst Medikamente besorgen oder die Dosierung eigenständig verändern. Holen Sie die verschriebenen Medikamente stets aus einer Apotheke, bestellen Sie beispielsweise nicht im Internet aus einer zweifelhaften Quelle (seriöse Versandapotheken sind auch im Internet zu finden). Schließen Sie Ihre Partnerin nicht aus, sondern beziehen Sie sie stets mit ein.

Orale Medikamente (verschreibungspflichtig)

Häufig werden zunächst oral anzuwendende Medikamente vom Facharzt verschrieben. Dazu zählen zum einen Medikamente, die PDE-5-Hemmer nutzen, sowie Medikamente auf Basis des Wirkstoffs Yohimbin. PDE-5-Hemmer starten einen biochemischen Prozess, der zu einer Erektion führt. Cialis, Levitra, Spedra oder Viagra gehören in diese Medikamentengruppe. Diese Medikamente sind Bedarfsmedikamente, die kurz vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Auf unserer Seite „PDE-5-Hemmer zur Behandlung von Erektionsstörungen“ finden Sie hierzu weitere Informationen.

Medikamente mit dem Wirkstoff Yohimbin, wie beispielsweise Yocon-Glenwood und Yohimbin Spiegel, finden bei psychisch bedingten Erektionsstörungen Verwendung. Diese Medikamente müssen regelmäßig eingenommen werden, unabhängig von einem anstehenden Geschlechtsakt. Die Wirkungsweise unterscheidet sich hier auch von den vorgenannten Medikamenten. Für die Erektion ist noch immer ein sexueller Reiz notwendig. Mit Yohimbin kann dieser Reiz dann entsprechend weiterverarbeitet werden. Auf der Seite „Yohimbin zur Behandlung von Erektionsstörungen“ erhalten Sie weitere Informationen.

Lokal anzuwendende Medikamente (verschreibungspflichtig)

Eine andere Klasse von Medikamenten gegen Erektionsstörungen werden lokal am Penis angewandt. Bei der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) wird der Wirkstoff Alprostadil in die Schwellkörper im Penis gespritzt. Dafür wird eine sehr dünne Nadel benutzt, damit keine Schmerzen auftreten. Etwa zehn Minuten später setzt die Erektion ein. Caverject und Viridal sind Medikamente aus diesem Bereich. Auf der Seite „SKAT zur Behandlung von Erektionsstörungen“ finden Sie weitere Informationen.

Eine Abwandlung der Alprostadil-Verabreichung erfolgt in Form einer Mini-Tablette, die mithilfe eines Applikators in die Harnröhre eingeführt wird. MEDA Pharma hat diese Variante unter der Bezeichnung Medicated Urethral System for Erection (MUSE) entwickelt. Diese Methode ist weniger erfolgreich als die SKAT-Anwendung, aber es konnte nachgewiesen werden, dass MUSE bei der Mehrheit der Männer erfolgreich funktionierte, bei denen die SKAT-Anwendung versagte (Montorsi 2002).

Mechanische Hilfsmittel

Um eine Erektion zu erreichen, kann auch zu mechanischen Hilfsmitteln gegriffen werden. Die Vakuum-Erektionshilfe (auch Vakuumpumpe genannt) ist ein Plastikzylinder, in dem der Penis eingeführt wird. Anschließend wird mit einer Hand- oder Elektropumpe ein Unterdruck erzeugt, der das Blut in die Schwellkörper des Penis schießen lässt. Ist eine Erektion erreicht, wird der Penis aus dem Zylinder gezogen und ein Penisring (in der richtigen Größe!) über die Erektion bis zur Peniswurzel geschoben.

Der Penisring verhindert, dass das Blut in den Schwellkörpern wieder abfließt. Wenn noch eine anfängliche Erektion möglich ist, kann der Penisring als alleiniges Hilfsmittel für befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichen. Ein Penisring darf nicht länger als 30 Minuten getragen werden. Auf der Seite „Vakuum-Erektionshilfe zur Behandlung von Erektionsstörungen“ erhalten Sie weitere Informationen.

Hormontherapie

Liegt die Ursache der Erektionsstörung in einem niedrigen Testosteron-Spiegel begründet, kann dem Betroffenen Testosteron zugeführt werden. Hierbei gibt es mehrere Varianten: gespritzt (Andriol), per Pflaster an die Haut abgegeben (Androderm) oder per Gel an die Haut abgegeben (Androtop, Testogel).

Operative Eingriffe

Ein chirurgischer Eingriff sollte stets die allerletzte Möglichkeit bleiben. Hierbei kommen allenfalls Schwellkörper-Implantate infrage, die in den Penis eingesetzt werden. Dabei werden die vorhandenen Schwellkörper weitgehend zerstört. Das Einsetzen der Implantate kann nicht rückgängig gemacht werden – es sollte unbedingt vorher jede andere Behandlungsmöglichkeit ausgeschöpft werden. Auf der Seite „Schwellkörper-Implantate“ erhalten Sie weitere Informationen. Andere chirurgische Eingriffe wie Gefäßoperationen werden heute kaum noch durchgeführt.

Psychologische Betreuung

Nicht nur können Erektionsprobleme psychisch bedingt sein, fast immer zeigen Betroffene eine psychische Belastung, die für eine erfolgreiche Behandlung der Erektionsstörung hinderlich ist. Das bedeutet nicht, dass direkt eine intensive Psychotherapie notwendig ist. Hier gibt es einige Abstufungen, die je nach Bedarf greifen. Auf der Seite „Wie werden psychische Ursachen der Erektionsstörung behandelt?“ erhalten Sie weitere Informationen.

Unkonventionelle Therapieansätze

Es gibt eine Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten für die erektile Dysfunktion, die eher atypisch sind. Dazu zählen die Beckenbodengymnastik (siehe auch „Beckenbodentraining“) und die heilpflanzliche Behandlung (siehe auch „Pflanzliche Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen“) und andere Formen der Heilpraxis. Diese Behandlungsformen ersetzen keinesfalls den ärztlichen Besuch.


Literatur

  • Burnett, Arthur L (2009):
    Erectile Dysfunction Management for the Future.

    Im Internet: Artikel (pdf-Datei, 215 kB)
  • EAU (European Association of Urology) (2010):
    Guidelines on Male Sexual Dysfunction: Erectile dysfunction and premature ejaculation.

    Im Internet: Ausführliche Leitlinie (pdf-Datei, 228 kB)
  • Montorsi F, Salonia A, Zanoni M, Pompa P, Cestari A, Guazzoni G, Barbieri L, Rigatti P (2002):
    Current status of local penile therapy.

    Im Internet: Zusammenfassung
  • Porst, Hartmut (2010):
    The Future of Erectile Dysfunction (ED).
    Im Internet: Zusammenfassung