Behandlung psychischer Ursachen von Erektionsstörungen: Selbsthilfe, Sexualberatung, Sexualtherapie

Es gibt eine Reihe psychischer Faktoren, die zu einer erektilen Dysfunktion (ED) führen können – von Stress und Depressionen über Partnerschaftsprobleme bis zu Versagensängsten oder Minderwertigkeitsgefühlen. Hinzu kommt, dass organisch bedingte Erektionsstörungen in vielen Fällen auch zu psychischen Belastungen führen. Die Belastungen wiederum verstärken häufig die erektile Dysfunktion oder verlängern die Dauer des Problems.

Unabhängig davon, ob die Erektionsstörung psychisch oder organisch bedingt ist, sollten Sie somit die psychischen Faktoren keinesfalls ignorieren. Das hilft Ihnen dabei, wieder eine gute Sexualität zu erleben. Dafür müssen Sie nicht direkt eine Psychotherapie machen, sondern Sie gehen am besten stufenweise vor: Beginnen Sie mit Maßnahmen zur Selbsthilfe. Wenn dadurch keine Besserung eintritt, versuchen Sie es mit einer Sexualberatung. Wenn auch das keinen Erfolg verspricht, sollte über eine therapeutische Maßnahme nachgedacht werden. In einer guten Sexualberatung wird ein eventueller Therapiebedarf ohnehin erkannt.

Was ist Selbsthilfe?

Erektionsstörungen, Impotenz: Reden ist oft der erste Schritt

Sie sollten auch im Bereich der eigenen Sexualität keine falsche Verdrängung betreiben. Die eigenen psychischen Probleme sind für einen selbst oft gar nicht auf den ersten Blick erkennbar. Diese zusätzlich auch noch einzuordnen, ist für einen Betroffenen unmöglich allein leistbar. Als erster Schritt hilft häufig bereits das Gespräch mit einem verständnisvollen Menschen, dem Sie voll vertrauen. Das bringt bereits Licht ins Dunkel.

Idealerweise ist diese Person Ihre Partnerin, aber selbst wenn nicht, sollten Sie bei Erektionsstörungen auf jeden Fall auch ein Gespräch mit Ihrer Partnerin suchen. Kommunikation ist für eine intakte Beziehung ein wesentlicher Baustein, das zeigt sich gerade bei Problemen, die einer der Partner hat. Ein Verschweigen birgt größere Konfliktpotenziale, die die Partnerschaft unter wesentlich größeren Problemen stellen kann als Ihr offenes Gespräch.

Der nachfolgende Fragenkatalog kann Ihrer Partnerin und Ihnen dabei helfen, in ein hilfreiches Gespräch zu kommen:

  • Besprechen wir lediglich alltägliche Probleme und Themen oder reden wir auch über unsere Gefühle, Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen?
  • Widmet mir mein Partner noch genügend Zeit?
  • Werden Konflikte geklärt oder totgeschwiegen?
  • Hört mir mein Partner zu, wenn ich ihm von mir erzähle?
  • Habe ich das Gefühl, von meinem Partner respektiert zu werden?
  • Macht mein Partner verletzende Bemerkungen?
  • Bekomme ich auch anerkennende und liebevolle Worte?
  • Was fehlt mir in unserer Beziehung?
  • Was hat sich in unserer Beziehung oder in unserem Familienleben zu der Zeit geändert, als die sexuellen Probleme auftauchten?
  • Bin ich mit unserer körperlichen Nähe und dem Austausch von Zärtlichkeiten im Alltag zufrieden?
  • Was gefällt mir an unserem Sex?
  • Was vermisse ich beim Sex?
  • Welche Befürchtungen habe ich? (z.B. dass ich den den Ansprüchen meines Partners nicht gerecht werde, dass ich nicht attraktiv bin)
  • Hat mein Interesse am Sex nachgelassen?
  • Ist mir unser Sex zu eingefahren oder zu langweilig geworden?
  • Beeinflussen die Kinder unser Sexualleben?
  • Welche Gefühle lösen solche Änderungen in der Beziehung oder beim Sex in mir aus?
  • Könnten einige dieser Veränderungen etwas mit den sexuellen Problemen zu tun haben?

Am besten beantworten Ihre Partnerin und Sie zunächst die Fragen getrennt und in Ruhe für sich. Beim anschließenden Gespräch vermeiden Sie gegenseitige Schuldvorwürfe, die sind nur kontraproduktiv. Verallgemeinerungen sollten Ihre Partnerin und Sie vermeiden – ein „Ich wünsche mir mehr Zärtlichkeit“ ist sicherlich hilfreicher als „Du bist nie zärtlich zu mir“. Auf unserer Seite „Wie gehe ich als Partnerin mit Erektionsstörungen um?“ geben wir weitere Hinweise und Tipps.

Selbstverständlich sind Beziehungsprobleme nicht immer die Ursache einer psychisch bedingten Erektionsstörung. Partnerschaftliche Auseinandersetzungen, Sorgen und Ängste können nur ein weiteres Symptom sein. Egal, worin die Ursache begründet liegt, das Gespräch mit der Partnerin sollte immer der erste Schritt sein. Auf unserer Seite „Psychische Ursachen der erektilen Dysfunktion (ED)“ erhalten Sie weitere Informationen.

Ein weiterer Schritt in der Selbsthilfe ist, für Ihre Partnerin und sich eine Situation ohne der Möglichkeit des „Versagens“ zu schaffen. Es gibt zahlreiche sexuelle Spielarten, bei denen der Geschlechtsverkehr im Sinne eines Einführens des Penis in die Scheide nicht praktiziert wird. Wenn Sie als Mann bemerken, dass Sie Ihre Partnerin auch ohne „eigentlichen Akt“ befriedigen können, reduziert das Versagensängste und Minderwertigkeitsgefühle deutlich. Auch umgekehrt bedeuten Erektionsstörungen nicht, dass Sie an anderen sexuellen Spielarten keine Freude oder keine Lust empfinden. Darüber hinaus bringt eine Erweiterung des Sexuallebens auch durchaus neuen Schwung in eine Partnerschaft.

Neben dem Gespräch mit der Partnerin hilft vielen Betroffenen auch der Austausch mit anderen Betroffenen. So werden vor allem Minderwertigkeitsgefühle und falsche Vorstellungen ausgeräumt. Eine Selbsthilfegruppe kann hier ein guter Weg sein. Reden wirkt befreiend und von anderen gleiche oder ähnliche Probleme zu hören, lässt einen nicht allein mit dem Problem dastehen. In unserem Informationsblatt „Selbsthilfegruppen Erektionsstörungen“ (PDF, 88 kB) erhalten Sie weitere Informationen.

Wie kann eine Sexualberatung helfen?

Wenn die Selbsthilfe nicht ausreicht oder die Kommunikation zwischen den Partnern nicht den gewünschten Erfolg zeigt, kann eine Sexualberatung weiterhelfen. Hier wird dem Paar dabei geholfen, Barrieren zu erkennen und abzubauen. Barrieren sind beispielsweise unerfüllbare Wünsche, Erwartungen, Vorstellungen oder unzutreffende Annahmen über den Partner oder die Partnerin. Sie beeinträchtigen ein problemfreies Sexualleben und können auch zu partnerschaftlichen Konflikten führen. Die Sexualberatung trifft gezielte Hilfestellung, diese Barrieren zu überwinden und die Kommunikation in der Partnerschaft – auch und gerade in Sachen Sexualität – zu verbessern.

Eine Sexualberatung kann nur dann sinnvoll sein, wenn beide Partner freiwillig und gemeinsam daran teilnehmen. Gelegentlich wird dabei dennoch auf Einzelberatung zurückgegriffen, wenn bestimmte Aspekte eines Partners geklärt werden sollen. Die Ziele und der Umfang der Sexualberatung werden mit jedem Paar individuell festgelegt. Meist wird nach einer bestimmten Zeit ein Zwischenfazit gezogen. Möglicherweise wird auch ein Therapiebedarf während der Beratung erkannt.

Wie kann die Sexualtherapie helfen?

Die Grundidee der Sexualtherapie ist, dass sich das Paar neu dem gemeinsamen Sexualleben annähert. Das geschieht in mehreren Stufen. Meist werden dem Paar „Hausaufgaben“ gestellt, in denen sie sich langsam einander wieder annähern sollen, insbesondere in sexueller Hinsicht – Geschlechtsverkehr ist dabei einer der letzten Schritte. In der einer „Hausaufgabe“ folgenden Sitzung wird über die gemachte Erfahrung ausführlich gesprochen und die gegenseitigen Empfindungen geschildert – das ist besonders wichtig (Sigusch 2000). Abhängig vom Gesprächsergebnis wird der nächste Schritt in der Annäherung festgelegt. Die neuen Formen der Sexualtherapie, wie beispielsweise die syndyastische Sexualtherapie, stellen stets die Beziehung in den Mittelpunkt.

Selbsthilfegruppen & Beratungsstellen in Deutschland


Literatur

Weitere Seiten bei uns zum Thema

Fachliteratur zu Sexualberatung und Sexualtherapie

  • Beier, Klaus M.; Bosinski, Hartmut A. G.; Loewit, Kurt (2005):
    Sexualmedizin. Grundlagen und Praxis.
    2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. München; Jena: Urban & Fischer.
  • Beier, Klaus M.; Loewit, Kurt (2004):
    Lust in Beziehung. Einführung in die Syndyastische Sexualtherapie. Heidelberg: Springer-Verlag.
  • Buddeberg, Claus (2005):
    Sexualberatung. Eine Einführung für Ärzte, Psychotherapeuten und Familienberater.
    4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
  • Hecker, Norbert (2001):
    Sexualberatung
    Psychotherapie im Dialog 2001, Heft 3, Seite 291-295.
  • Sigusch, Volkmar (2000):
    Paartherapie bei sexuellen Funktionsstörungen.
    Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 12, 24. März 2000. Im Internet: Artikel.