Dauererektion

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Dauererektion „nur“ eine länger anhaltende Erektion ohne genauere Definition. Dabei handelt es sich sicherlich nicht um einen erstrebenswerten Zustand. Um eine bessere Herangehensweise an dieses Thema zu wählen, fokussieren wir uns im Folgenden auf die medizinisch korrekten Begriffe Priapismus oder prolongierte Erektion.

Low Flow vs. High Flow – Was ist Priapismus?

Priapismus liegt vor, wenn eine Erektion ohne sexuelle Erregung mehr als vier Stunden anhält. Dieser Zustand erfordert normalerweise eine medizinische Behandlung, um gesundheitliche Folgererscheinungen zu vermeiden, oder den Zustand überhaupt zu lösen. Dabei können grundsätzlich zwei Arten von Priapismus unterschieden werden: Low-Flow-Priapismus und High-Flow-Priapismus. Die erste Variante ist deutlich häufiger anzutreffen. Etwa 90 Prozent aller Fälle zählen hierunter.

Beim Low-Flow-Priapismus – auch veno-occlusiver oder ischämischer Priapismus genannt – fließt das Blut in den Schwellkörpern nicht mehr ab. Hält dieser Zustand an, sinkt der Sauerstoffgehalt im gestauten Blut, während gleichzeitig der Kohlendioxidgehalt steigt. Dadurch sinkt der pH-Wert und das Blut wird zunehmend basisch.

Bleibt das Blut mehr als zwölf Stunden gestaut, werden die Schwellkörper nachhaltig geschädigt. Nach mehr als 24 Stunden ist eine dauerhafte erektile Dysfunktion nicht mehr auszuschließen. Es handelt sich hier somit um einen urologischen Notfall, der unverzüglich einer ärztlichen Behandlung bedarf.

Es gibt mit dem intermittierten Priapismus noch einen Sonderfall des Low-Flow-Priapismus, bei dem die Erektion zwar nach drei bis vier Stunden von allein wieder zurückgeht, sich dieser priapische Zustand – vor allem ohne sexuellen Reiz – in zeitlichen Abständen wiederholt. Der zeitlich Abstand kann Stunde, Tage oder gar Wochen betragen (Kheirandish et al. 2011).

Beim High-Flow-Priapismus – auch arterieller oder nicht-ischämischer Priapismus genannt – fließt arterielles Blut unkontrolliert in die Schwellkörper ein. Der Blutabfluss ist nicht gestört, der Zufluss ist jedoch so stark, dass sich die Schwellkörper füllen und eine Erektion entsteht. Da Blut abfließt und durch neues ersetzt wird, sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut nicht und die Folgen sind nicht so gravierend. Ein Betroffener kann aber für gewöhnlich nicht unterscheiden, welche Art des Priapismus vorliegt. Es sollte daher bei einer mehr als vier Stunden anhaltenden Erektion unverzüglich ein Arzt oder das Krankenhaus aufgesucht werden.

Was verursacht Priapismus?

Der gefährlichere Low-Flow-Priapismus kann seine Ursache vor allem als Folge einer Krankheit haben. Bluterkrankungen wie beispielsweise Sichelzellenanämie oder Leukämie kommen infrage oder auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Krankheiten wie Malarie oder Tumore. Eine weitere Ursache kann in einer Nebenwirkung zu einem Medikament liegen. Beispielsweise kann die SKAT-Behandlung gegen Erektionsstörungen Low-Flow-Priapismus auslösen, aber auch bestimmte Antidepressiva und Alphablocker. Nicht zuletzt kann auch Drogen- und Alkoholmissbrauch verantwortlich sein.

Intermittierender Priapismus ist insbesondere bei jungen Männern häufig Folge einer Sichelzellenanämie. Selbst in sehr jungem Alter kann diese Form als Folge der Erkrankung auftreten. High-Flow-Priapismus ist im Gegensatz dazu meist auf eine Verletzung im Genital- oder Dammbereich zurückzuführen. Als Folge von Unfällen, einer Injektion oder Operation kann diese Form auch Tage nach dem Ereignis erst auftreten. Bei etwa 30 bis 60 Prozent der Priapismus-Fälle kann die genaue Ursache nicht bestimmt werden.

Hausmittel als erste Gegenmaßnahme

An erste Stelle steht beim Priapismus die ärztliche Behandlung. Kann aus irgendeinem Grund nicht unmittelbar ein Arzt aufgesucht werden, können einfache Maßnahmen möglicherweise helfen.

  • Kühlung des Penis und des Dammes
  • Treppen auf- und abwärts gehen (nicht rennen)
  • Sexuelle Stimulation, die zum Orgasmus führt

Die ärztliche Behandlung

Damit schnell eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme zum Priapismus gefunden werden kann, muss der Arzt zunächst die Art des Priapismus bestimmen. Dafür geht der Arzt nach dem üblichen Diagnoseverfahren vor:

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchungen
  • Farbduplexsonographie

Ist die Art des Priapismus festgestellt, beginnt die Behandlung. Beim Low-Flow-Priapismus steht die Entfernung des sauerstoffarmen Bluts in den Schwellkörpern im Vordergrund. Dafür wird zunächst eine gefäßerweiternde Substanz in die Schwellkörper injiziert. Als Mittel wird Methylenblau oder eine alpha-adrenege Substanz gewählt (Anheuser et al. 2009, Burnett / Sharlip 2013).

Diese Mittel ziehen die Schwellkörpermuskulatur zusammen, sodass die Venen nicht mehr blockiert werden. Eventuell muss die Anwendung mehrmals wiederholt werden. Mit einer Kanüle wird zudem versucht – oder bei nicht ausreichender Wirkung – das gestauchte Blut abzusaugen. Erst wenn diese Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, muss operiert werden – hier kommt es in der Hälfte der Fälle zu dauerhaften Erektionsstörungen.

Beim intermittierenden Priapismus und dem High-Flow-Priapismus ist eine Notfall-Behandlung des Priapismus nicht erforderlich (die Ursache der Blutung aber sehr wohl). In den meisten Fällen geht die Erektion von allein wieder zurück, ohne dass Folgeschäden zu befürchten sind. Die Patienten werden aber zunächst unter Beobachtung gestellt. Eine Embolisation wäre im Bedarfsfall eine Behandlungsmöglichkeit – auch hier kommt es in der Hälfte der Fälle zu dauerhaften Erektionsstörungen in der Folge (Burnett / Sharlip 2013, S. 192).

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