Wie funktioniert eine Erektion?

Für die meisten Männer gehört zu einem erfüllten Sexualleben die Erektionsfähigkeit. Nur mit einem durch Bluteinschuss in die Schwellkörper versteiften Penis (Erektion) ist – so der Gedanke vieler – ein befriedigender Geschlechtsverkehr überhaupt möglich. Solange die eigene Erektion ohne Probleme entsteht, denken die meisten Männer darüber gar nicht weiter nach. Dabei ist die Erektion nicht bloß das auffälligste Zeichen für die sexuelle Erregung beim Mann, sondern ein in biologischer Hinsicht komplexer Vorgang.

Diesen komplexen Vorgang zu durchschauen, wird spätestens dann wichtig, wenn eine erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) vorhanden ist. Je nachdem, wo in dem Ablauf hin zu einer Erektion die Störung auftritt, sind andere Behandlungsmethoden gegen die Erektionsstörung relevant. Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten setzen an verschiedenen Punkten in der Abfolge der Erektion an.

Was ist im Körper alles an einer Erektion beteiligt?

Eine Erektion bedeutet wesentlich mehr als ein steifer Penis. Vielmehr ist eine Erektion eine komplexe Abfolge im männlichen Körper, an dessen Ende die Versteifung des Penis steht. Hieran beteiligt sind bestimmte Areale des Gehirns, in denen sexuelle Reize verarbeitet werden, Nervenreize, diverse Botenstoffe, die Blutzirkulation und Muskeln.

Dass hier ein Zusammenspiel verschiedener Körpereigenschaften stattfinden muss, zeigt bereits die Situation ohne Erektion. Ein Penis im erschlafften Zustand ist deswegen schlaff, weil sich in den Schwellkörpern nur wenig Blut befindet. In den Schwellkörpern ist nur wenig Blut, weil glatte Muskelstränge die Arterien im Genitalbereich durch Kontraktion (Anspannung) am Ausdehnen – und damit einer erhöhten Blutzufuhr in die Schwellkörper – hindern. Der Sympathikus, ein Nervengeflecht im Bereich der oberen Brustwirbelsäule, das bis in den Genitalbereich verzweigt ist, steuert wiederum die zuvor genannten Muskeln. Eine Änderung hier erfordert einen komplexen biochemischen Vorgang.

Was passiert bei einer Erektion?

Damit sich der zuvor beschriebene Zustand ändert und eine Erektion entstehen kann, gibt es einen bestimmten Ablauf im männlichen Körper. Ausgangspunkt ist ein sexueller Stimulus, der im Gehirn als sexueller Reiz wahrgenommen und interpretiert wird. Was als sexueller Stimulus den Anstoß gibt, kann sehr unterschiedlich sein. Von der Berührung über einen reizvollen Anblick oder ein Geruch bis zu einem erotischen Traum können diverse Reize als Auslöser fungieren.

Interpretiert das Gehirn den Stimulus als sexuellen Reiz, sendet es ein Signal an den Parasympathikus, dem Gegenstück zum Sympathikus. Die Muskeln um die Arterien im Genitalbereich erschlaffen und die Arterien können sich erweitern. Die erweiterten Gefäße sorgen dafür, dass Blut in die Schwellkörper einfließen kann und sich dort staut. Dadurch richtet sich der Penis auf und wird hart. Gleichzeitig werden Berührungen des Penis über die sensiblen Penisnerven ins Mark der Lendenwirbelsäule und von dort verstärkt wieder zurückgesendet (Rückkopplung). Es wird eine biochemische Kette in Gang gesetzt, der wesentlich zur Erektion und dessen Erhalt beiträgt.

Weitere biologische Reaktionen treten zudem auf. So verlagern sich die Hoden in Richtung Bauch. Nicht selten treten bei der Bildung der Erektion beim Penis kleine Mengen eines klaren Sekrets aus (das sogenannte Lusttröpfchen). Das Sekret bildet sich in den Cowperschen Drüsen im Bereich der Prostata und kann bereits Spermien enthalten.

Ein genauer Blick auf die biochemische Reaktion

Die verschiedenen Nervensignale, insbesondere die verstärkten Reize, die aus dem Mark der Lendenwirbelsäule zurückgesandt werden, stehen am Anfang der biochemischen Kette der Erektion. Der Körper schüttet Stickstoffoxid (NO) sowie zyklisches Guanin-Monophosphat (cGMP) aus. cGMP sorgt letztlich für die Muskelerschlaffung der Arterienwände, sodass Blut in die Schwellkörper einfließen kann. Das einströmende Blut drückt die kleineren Venen ab – das Blut kann nicht so schnell wieder abfließen.

Bei der Erektion füllen sich die Schwellkörper mit bis zu 40-mal mehr Blut als im nicht erigierten Zustand. Die Schwellkörper werden dadurch drei- bis viermal so groß. Das Niveau des cGMP-Spiegels ist somit dafür verantwortlich, wie stark und wie dauerhaft eine Erektion ist.

Damit wird die Erektion wieder abgebaut, wenn der cGMP-Spiegel wieder sinkt. Zuständig dafür ist das Enzym Phosphodiesterase 5 (PDE-5). Hier setzen Potenzmittel wie Viagra, Levitra oder Cialis an: Sie hemmen das Enzym PDE-5 und verbessern die Blutzufuhr. Die Folge ist eine stärkere und länger anhaltende Erektion. Hat PDE-5 genug von dem cGMP wieder abgebaut, wird die Blutzufuhr gemindert, das Blut aus den Schwellkörpern fließt wieder ab und der Penis erschlafft.

Einmal durch den sexuellen Reaktionszyklus

Damit ist im wesentlich auch bereits der sogenannte sexuelle Reaktionszyklus beschrieben. Dieser lässt sich in vier Phasen teilen.

  1. Die erste Phase ist die Erregungsphase, in der die Erektion startet.
  2. In der Plateauphase ist die maximale Erektion erreicht.
  3. Es folgt die Orgasmusphase mit der Ejakulation und
  4. abschließend die Entspannungsphase, in der die Erektion wieder abgebaut wird.

Der dahinterstehende biochemische Prozess durchläuft somit einmal den oben skizzierten Weg,

Die Erektion als evolutionäres Ziel

In einem evolutionären Sinne erfüllt die Erektion einen bestimmten Zweck. Sie ermöglicht den Mann, mit dem steifen Penis in die Vagina der Frau einzudringen. Um eine Eizelle der Frau befruchten zu können, müssen die Spermien in das hintere Scheidengewölbe verbracht werden. In dieser Region muss somit das Ejakulat austreten. Ohne Erektion ist das – auf natürliche Weise – nicht möglich.

Erektionsstörungen können verschiedene Ursachen haben

Treten nun Erektionsstörungen auf, können hierfür verschiedene Ursachen verantwortlich sein (mehr zu den Ursachen finden sie hier). In der langen Kette an körperlichen Reaktionen muss nur an einer Stelle eine Störung auftreten, schon schwindet die Erektionsfähigkeit. So kann ein verminderter Blutfluss, beispielsweise aufgrund einer Arteriosklerose, ebenso für eine erektile Dysfunktion verantwortlich sein wie eine Schädigung der Nerven.

Weitere potenzielle Ursachen liegen in Nebenwirkungen von Medikamenten, psychischen Ursachen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, andere Krankheiten, Unfälle, Operationen, Hormonstörungen (insbesondere Testosteronmangel) oder auch der Lebensstil (beispielsweise Alkoholkonsum). Die Liste der Ursachen ist nicht nur lang, die Ursachen können die Kette, die zu einer Erektion führt, auch an ganz verschiedenen Stellen unterbrechen. Daher ist es in mehrfacher Hinsicht besonders wichtig, dass bei Auftreten einer Erektionsstörung ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. In unserer Übersicht aller Selbsthilfegruppen für Erektionsstörungen, Sexualmedizinische Ambulanzen und Paarberatungsstellen in Deutschland für Sie zusammengesucht finden Sie mögliche erste Ansprechpartner.