PDE5-Hemmer auf dem Schwarzmarkt

Erektionsstörungen – medizinisch erektile Dysfunktion genannt – sind noch immer ein Tabuthema. Betroffene Männer fühlen Scham und Ängste, hinzu kommt die ohnehin vorherrschende Reaktion, Probleme alleine bewältigen zu wollen und einen Arztbesuch möglichst zu vermeiden. Diese gefährliche Gemengelage hat zu einem wahren Boom auf dem Schwarzmarkt für Potenzmittel geführt. Sich ein Potenzmittel auf dem Schwarzmarkt zu kaufen, ist dabei nicht nur unvernünftig, sondern auch massiv gesundheitsgefährdend.

Warum suchen betroffene Männer Potenzmittel ohne Rezept im Internet?

Erektionsstörungen passen nicht zum gesellschaftlichen und oft auch eigenen Bild von Männlichkeit. In der Folge leidet das Selbstwertgefühl der betroffenen Männer, Versagensängste und weitere Ängste – beispielsweise, dass dieses Problem bekannt wird – treten auf, zudem schämen sich viele betroffene Männer schlicht und trauen sich auch nicht, einen Arzt aufzusuchen. Um aus dem vermeintlichen Dilemma herauszukommen, wird versucht, selbst aktiv zu werden. PDE5-Hemmer wie Viagra, Levitra oder Cialis sind bekannte Potenzmittel, auf die ein Betroffener bei einer einfachen Internetsuche schnell stößt.

Da PDE5-Hemmer in Deutschland als Medikament verschreibungspflichtig sind, ist für den Erhalt ein Arztbesuch notwendig. Wenn die Hemmnisse, einen Arzt aufzusuchen, größer sind als die, einfach mit einem Klick von einem Internethändler einen PDE5-Hemmer wie Viagra zu bestellen, ist ein Schwarzmarktkauf schnell getätigt.

Wie groß ist der Schwarzmarkt für PDE5-Hemmer?

Der schiere Umfang an Internetangeboten zu Viagra, Levitra und Cialis sowie der sehr einfache Zugang für potenzielle Käufer lassen bereits erahnen, dass der Schwarzmarkt für PDE5-Hemmer vermutlich sehr umfangreich ist. Aus den Jahresstatistiken des Zolls zu den Beschlagnahmungen von illegal eingeführten Medikamenten – PDE5-Hemmer werden in der Regel aus dem Ausland nach Deutschland verschickt – und Medikamentenfälschungen geht die Zahl der bestellten Verpackungen bereits in die Hunderttausende.

Eine Studie aus den Niederlanden, veröffentlicht von Basitaan Venhuis im British Medical Journal, hat sich intensiver mit dieser Frage beschäftigt. Die Forscher haben das Klärwasser von Amsterdam, Eindhoven und Utrecht auf Rückstände von Sildenafil – dem Wirkstoff in Viagra – und zwei Abbauprodukten des Medikaments untersucht. Sie fanden eine deutliche Diskrepanz zwischen den tatsächlich gemessenen Rückständen und denen, die laut Verschreibungsstatistik hätte da sein dürfen. Die Rückstände sind gut zweieinhalb mal so hoch, wie sie hätten sein dürfen.

Vorischt!

Umgerechnet sind 60 Prozent aller Viagra-Einnahmen auf nicht verschriebenes Viagra zurückzuführen.

Viele vermeintliche PDE5-Hemmer aus dem Ausland sind wirkungslos

Vermutlich zeigt die niederländische Studie nur einen Bruchteil des Schwarzmarktes auf. Denn die Zahl an Arzneimittelfälschungen und Potenzmitteln, die schlicht wirkungslos ist, hat sich ebenso drastisch erhöht. Ein boomender Schwarzmarkt für PDE5-Hemmer zieht unweigerlich auch solche Anbieter an, die einfach und schnell mit der Scham Betroffener Geld machen wollen. Im harmlosesten Fall wirkt das bestellte Viagra, Levitra oder Cialis einfach nur nicht und der Betroffene hat nur sein Geld verschwendet. Im schlimmsten Fall jedoch wirkt der bestellte PDE5-Hemmer nicht und gleichzeitig führt die Einnahme zu schweren gesundheitlichen Risiken.

Immer wieder fallen bei Arzneimittelfälschungen gefährliche Mixturen auf. Selbst wenn der eigentliche Wirkstoff eines PDE5-Hemmers enthalten ist – oft in schwankenden Dosierungen -, werden häufig Giftstoffe beigemischt, die schwer gesundheitsgefährdend sein können bis hin zum Tod. Was der bestellte PDE5-Hemmer tatsächlich enthält und in welchen Dosierungen, ist unmöglich für den Laien festzustellen.

Selbst wirksame PDE5-Hemmer aus dem Ausland können schwer gesundheitsgefährdend sein

Wer sich auf die Suche nach einem Potenzmittel im Internet begibt, wird die Seriosität der Angebote vermutlich nur schwer durchschauen können. Aber selbst wenn der Betroffene auf ein Angebot stößt, bei dem er tatsächlich einen PDE5-Hemmer, der wirkt, bekommt, sind damit unweigerlich erhöhte Risiken verbunden. Neben dem eigentlichen Wirkstoff sind zum Beispiel für den Transport durch den Körper auch die enthaltenden Hilfsstoffe wichtig.

Tipp

Billig produzierte Medikamente greifen nicht selten auf vergleichsweise unverträglichere Stoffe zurück, enthalten unklare Beimischungen oder sie werden unter schwierigen hygienischen Bedingungen hergestellt. So können gefährliche Krankheitserreger durch die Einnahme in den eigenen Körper gelangen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eine weitere Gefahr

Ohne ärztliche Aufklärung setzen sich Betroffene durch eigenmächtige Beschaffung von PDE5-Hemmern noch einem weiteren gesundheitlichen Risiko aus. Neben den unklaren und potenziell gefährlicheren Nebenwirkungen von nicht zugelassenen PDE5-Hemmern im Vergleich zu den zugelassenen PDE5-Hemmern sind auch die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten. Die sind selbst bei den zugelassenen PDE5-Hemmern ausgesprochen wichtig, um daraus resultierende Gefahren zu minimieren.

Werden beispielsweise Mittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Antidepressiva eingenommen, können teils gefährliche Wechselwirkungen mit PDE5-Hemmern auftreten. Wer somit im Internet glücklicherweise einen wirksamen PDE5-Hemmer findet, gefährdet durch die Wechselwirkung möglicherweise auf der anderen Seite seine Gesundheit. Bei nicht zugelassenen PDE5-Hemmern könnten diese Wechselwirkungen zudem heftiger ausfallen.

Medikamentenimporte aus Nicht-EU-Ländern ist strafbar

Ein weiteres Problem für Männer, die PDE5-Hemmer im Internet bestellen, liegt in der Strafbarkeit dieser Handlung. Medikament von Anbietern außerhalb der EU zu importieren, ist grundsätzlich illegal. Nicht zugelassene Medikamente oder verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept zu kaufen, ist ebenfalls strafbar. Neben den schweren gesundheitlichen Risiken steht also auch eine mögliche strafbare Handlung im Raum.

Erektionsstörungen müssen ärztlich behandelt werden

Wenn Sie den Verdacht haben, unter Erektionsstörungen zu leiden, gehen Sie nicht den Weg über dubiose Internetquellen. Es ist außerordentlich wichtig, dass Sie Ihre Hemmungen überwinden und einen Arzt aufsuchen, der Sie behandelt. Mit illegal beschafften Medikamenten gefährden Sie nicht nur massiv Ihre Gesundheit, Sie ignorieren zudem auch weitere gesundheitliche Folgen.

Erektionsstörungen können ein Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung sein. Umso wichtiger ist es, dass die Ursache der Erektionsstörungen durch einen Arzt geklärt werden. Nur so kann gegebenenfalls rechtzeitig mit einer Behandlung begonnen werden.

Zudem sind PDE5-Hemmer nicht immer die richtige Behandlungsmethode von Erektionsstörungen. Bei Erektionsstörungen, die beispielsweise psychisch bedingt sind, durch Einnahme anderer Medikamente oder durch eine Schädigung der Nerven, helfen PDE5-Hemmer in der Regel nicht weiter. Suchen Sie daher bei Erektionsstörungen unbedingt Ihren Arzt auf, lassen Sie die Ursache klären und sprechen Sie mit Ihrem Arzt die beste Behandlungsmethode ab.

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