Mangelnde Libido wieder steigern

Die Libido (sexuelles Verlangen, Lust) ist bei jedem Menschen, Männer wie Frauen, ganz unterschiedlich ausgeprägt. Während einige Männer und Frauen täglich Lust auf Sex verspüren, sind andere mit wöchentlichem oder monatlichem Sex zufrieden. Es gibt sogar Menschen, die keinerlei sexuelle Bedürfnisse verspüren (Asexualität) und sexuellen Kontakt auch nicht vermissen (AVEN 2005). Alle diese Ausprägungen sind völlig natürlich und normal. Ebenso natürlich ist ein sinkendes sexuelles Verlangen mit dem Alter. Bei Männern ist die Libido um das 20ste Lebensjahr am ausgeprägtesten, bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren.

Was ist Libidoverlust?

Eine mit dem Alter nachlassende Libido gehört somit zum natürlichen Prozess. Etwas anderes liegt aber vor, wenn die Libido relativ kurzfristig sinkt oder gar vollständig verschwindet. Das ist insbesondere bei bestehenden Beziehungen ein Problem. Wenn die sexuelle Aktivität relativ plötzlich nachlässt, weil einer der Partner keine Lust mehr auf Sex verspürt, ist es für den anderen Partner automatisch belastend. Das gemeinsame Sexualleben ist in den meisten Partnerschaften ein wesentlicher Bestandteil der Beziehung. Es ist der intensivste Ausdruck von Nähe und Verbundenheit. Die werden nun durch den Libidoverlust gestört.

Problematisch ist somit ein plötzlicher Rückgang des sexuellen Verlangens, der im Weiteren als Libidoverlust bezeichnet werden soll. Im Gegensatz hierzu ist ein beständiger Libidomangel eine persönliche Ausprägung des sexuellen Verlangens, das unterhalb eines Durchschnitts liegt, aber völlig natürlich und daher unproblematisch ist. Der Libidoverlust kann hingegen ein ernstes Anzeichen des Körpers oder der Psyche sein, dass etwas nicht stimmt. Hier sollte die Ursache geklärt werden.

Was sind mögliche Ursachen für den Libidoverlust?

Der Libidoverlust kann ganz unterschiedliche körperliche und psychische Ursachen haben. Bei den körperlichen Ursachen sind Hormonstörungen eine typische Erklärung. Infrage kommen hier ein Testosteronmangel (Porst 2012a), ein erhöhter Prolaktinwert (Porst 2012b) oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Carani et al. 2005). Diverse chronische Erkrankungen können als Symptom einen Libidoverlust haben. Dazu zählen Herz-Kreislauferkrankungen, Nierenversagen und HIV (Meuleman/van Lankveld 2005). Nicht zuletzt kann der Libidoverlust auch als Nebenwirkung bei der Einnahme eines Medikaments ausgelöst werden (Gnirss-Bormet 2004). Sehen Sie hierzu unsere „Medikamentenliste“.

Weiterhin können psychische Ursachen für den Libidoverlust verantwortlich sein, darunter auch solche, die mit der Sexualität nicht direkt in Zusammenhang stehen. Depressionen oder Schizophrenie können beispielsweise verantwortlich sein (Segraves 2008). Angststörungen und Stress sind weitere psychische Belastungen, die zu Libidoverlust führen können. Im Umfeld der Sexualität sind Minderwertigkeitsgefühle, Angst vor Sex oder negative Gefühle, die durch andere sexuelle Störungen – beispielsweise Erektionsstörungen – ausgelöst werden, mögliche psychische Ursachen.

Ein weiterer Faktor, der zu einem Libidoverlust führen kann, ist das partnerschaftliche Umfeld. Beziehungsprobleme, Konflikte in der Partnerschaft, mangelnde Zeit füreinander, mangelnde Kommunikation, mangelnder Austausch über Wünsche und Bedürfnisse oder schlicht eine nachlassende Zuneigung bis hin zur unbewussten Ablehnung der Partnerin oder des Partners können einen Libidoverlust zur Folge haben.

Wie kann die Ursache für Libidoverlust bestimmt werden?

Damit der Sexualtrieb wieder so einkehrt, wie es die Partner gewohnt sind, muss zunächst die Ursache herausgefunden werden. Ein erster Schritt kann das Führen eines Tagebuchs sein. Dort wird die sexuelle Aktivität festgehalten und vor allem die Situationen, in denen keine Lust auf Sex verspürt wurde. Wichtig ist hier auch, welche Medikamente wann genommen wurden, wie es mit der Erektionsfähigkeit aussieht und weitere Punkte mehr. Sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen, wird ein Arzt und Therapeut diese Informationen ebenfalls für seine Diagnose wichtig finden.

So ein Tagebuch hilft vor allem dabei, psychische Ursachen einzugrenzen. Das wird auch der erste Ansatzpunkt eines Arztes oder Therapeuten sein. Wenn das nicht weiterhilft, wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Hier werden die verschiedenen Hormonwerte ermittelt (Beier 2005, S. 254). Führt auch das nicht weiter, werden weitere Untersuchungen durchgeführt.

Wie kann die Libido wieder gesteigert werden?

Der richtige Weg, die Libido wieder zu steigern, hängt von der Ursache ab. Bei psychischen Ursachen kann eine Veränderung des Lebensstils ein richtiger Weg sein. Wichtig ist grundsätzlich das offene Gespräch zwischen den Partnern. Auch das kann bereits ausreichen, gegen den Libidoverlust vorzugehen. Sitzen die Probleme tiefer, ist eine Sexualtherapie und eine allgemeine Therapie eine mögliche Lösung. Sehen Sie hier auch unsere Seite „Sexual- und Paarberatungsstellen“.

Liegt die Ursache bei eingenommenen Medikamenten, könnte hier der Austausch des Medikaments eine Verbesserung bringen. Eine Hormonstörung kann mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden. Eventuell können auch Potenzmittel – nicht nur, aber insbesondere bei einer bestehenden Erektionsstörung – weiterhelfen.

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