Kamagra Oral Jelly – was es so gefährlich macht

Von Erektionsstörungen betroffene Männer haben oft Hemmungen, offen über die sehr intimen Problem zu reden oder auch nur ihren Arzt aufzusuchen. Dabei ist gerade eine medizinische Diagnose bei Erektionsstörungen wichtig. Stattdessen suchen Betroffene im Internet nach einem Weg zur Selbsthilfe und stoßen dabei auf zahllose Angebote an Potenzmittel. Ein besonders aggressiv beworbenes Produkt ist Kamagra Oral Jelly. Dabei ist dieses Mittel in der EU nicht zugelassen und ein Bezug aus dem Ausland ist strafbar – und das nicht ohne Grund.

Was ist Oral Jelly?

Allgemein werden verschiedene Anbieter im Internet mit preisgünstigen Alternativen zu Viagra, oft ist gar von einem Generikum die Rede. Angeblich nutzt also Oral Jelly den gleichen Wirkstoff wie Viagra, was das wesentliche Merkmal eines Generikums wäre. Die als Generika beschriebenen Oral Jelly sind dabei keine Tabletten, sondern ein Gel zum Einnehmen. In kleinen Beuteln dosiert kann der Anwender einfach das Oral Jelly vor dem Geschlechtsverkehr zu sich nehmen.

Da es als Gel angeboten wird, können auch verschiedene Geschmacksrichtungen etabliert werden. Damit kann der bittere Geschmack des Wirkstoffes überdeckt werden. Oral Jelly richtet sich auch gezielt an Personen, die Probleme mit dem Schlucken von Tabletten haben – die normale Verbreichungsform von Potenzmitteln wie Viagra. Zielgruppe sind in erster Linie jüngere Männer, das Gel soll die Hemmungen zum Einnehmen eines Potenzmittels verringern und Oral Jelly ist zudem leichter zugänglich.

In den Werbeversprechen ist zudem zu lesen, dass Oral Jelly nicht nur leichter zu sich zu nehmen ist, sondern es auch schneller wirkt. Der Wirkstoff wird direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen und kann sich so schneller im Körper verbreiten. So tritt die Wirkung angeblich bereits nach 15 Minuten ein und die Wirkungsdauer liegt zwischen vier und zwölf Stunden – ebenfalls länger als bei Viagra.

Ob diese Versprechen wirklich eintreffen, darf allerdings bezweifelt werden. Sowohl die Wirksamkeit als auch die Unbedenklichkeit von Oral Jelly sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegeben. Obwohl der Wirkstoff in Viagra seit 2013 nicht mehr durch das Patent geschützt ist und auch auf dem deutschen Markt Generika zu Viagra existieren, ist Oral Jelly in der EU nicht zugelassen.

Ein Hinweis, dass Oral Jelly uneinschätzbare Risiken für die Gesundheit bringen kann, ist möglicherweise auch das die Vielzahl an Oral Jellys, die online angeboten werden. Häufigster Vertreter ist hier das Kamagra Oral Jelly. Weitere sind Apcalis, Ciamagra, Hard on, Malegra, Scilla, Valif, Viamagra und Welgra. Alles gibt es in diversen Geschmacksrichtungen.

Was ist Oral Jelly?

Kamagra ist ein indisches Generikum von Viagra. Es wird schon seit Jahren von Ajanta Pharma hergestellt und nutzt den gleichen Wirkstoff wie Viagra: Sildenafil. Wie Viagra selbst wurde Kamagra zunächst in Tablettenform hergestellt und als Generikum von Viagra angeboten. Erst später kam das Kamagra Oral Jelly hinzu. Beide Formen von Kamagra sind in der EU nicht zugelassen.

Gerade das Kamagra Oral Jelly wird auf vielen entsprechenden Webseiten stark beworben. Hauptargumente sind hier der günstige Preis, die schnellere und längere Wirkung, die leichtere Einnahme und der zusätzliche Spaßfaktor durch die diversen Geschmacksrichtungen. Bei Letzterem zeigt der Hersteller einige Kreativität: Von Ananas über Erdbeere bis Karamell ist nahezu alles an Geschmacksrichtungen dabei.

Bei der Anwendung wird empfohlen, das Kamagra Oral Jelly etwa eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr zu sich zu nehmen. Die Wirkungsdauer liegt zwischen vier und sechs Stunden – in einigen Fällen länger, was in der Werbung eine besondere Erwähnung findet. Auf Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder Magenbeschwerden wird zwar hingewiesen, die Anbieter betonen aber das seltene Auftreten solcher Beschwerden.

Eine besondere Betonung findet auch, dass nur einmal pro Tag Kamagra Oral Jelly zu sich genommen werden muss, um wieder ein erfülltes Sexleben zu genießen. Dabei fällt das besondere Risiko der Überdosierung unter den Tisch. Gerade die Positionierung von Kamagra Oral Jelly mehr Richtung Style-Produkt macht die Gefahr einer Überdosierung größer. Diese kann zu Blutdruckabfall bis hin zum Tod führen.

Nach Aussage der Anbieter ist bei richtiger Dosierung und ohne gesundheitliche Einschränkungen die Verwendung von Kamagra Oral Jelly unbedenklich. Der Gedankengang ist aber grundsätzlich äußerst gefährlich. Eine Erektionsstörung sollte immer ärztlich untersucht und korrekt diagnostiziert werden – diese können schließlich auf ein ernsthaftes gesundheitliches Problem hinweisen. Zum anderen sind Mittel mit einem Wirkstoff wie Sildenafil durch Neben- und Wechselwirkungen ohne ärztliche Aufklärung für den Patienten ein unnötiges Risiko. Nicht ohne Grund sind Potenzmittel verschreibungspflichtig.

Was sind die gesundheitlichen Risiken von Kamagra Oral Jelly?

Ein nicht zugelassenes und kontrolliertes Mittel birgt nicht einschätzbare Risiken für die Gesundheit. Die Qualität von Kamagra Oral Jelly kann nicht gewährleistet werden. Es ist auch unklar, ob die angegebene Zusammensetzung des Gels wirklich so stimmt. Verunreinigungen und schlecht ausgerüstete Labors oder bedenklichen hygienischen Bedingungen bei der Fertigung sind bei solchen Präparaten leider recht häufig. Da Kamagra Oral Jelly in Indien hergestellt wird, einem Land, in denen die Standards weit unterhalb der EU-Standard liegen, können diese Risiken nicht ausgeschlossen werden.

Bestenfalls ist durch eine zu geringe Dosierung das Mittel wirkungslos, schlimmstenfalls treten durch Zusätze und Verunreinigungen oder zu hohe Dosierungen schwere gesundheitliche Schäden bis hin zum Tod auf. Insbesondere durch Fälschungen, die im Internet in großer Zahl auftreten, sind diese Gefahren gegeben. Die vom Zoll abgefangenen Präparate, die anschließend im Labor untersucht wurden, bestätigen diese Befürchtungen – gut die Hälfte weisen schwere Qualitätsmängel auf. Hinzu kommt, dass der Bezug von nicht zugelassenen Medikamenten aus dem Ausland eine Straftat darstellt. Eine Geld- oder gar Freiheitsstrafe kann die Folge sein.