Psychische Ursachen der erektilen Dysfunktion

Bevor wir uns genauer mit den psychischen Ursachen einer erektilen Dysfunktion (ED) beschäftigen, müssen wir uns kurz mit der Diagnose „psychisch bedingt“ auseinandersetzen. Vermutlich würde es Ihnen wie den meisten Männern gehen, wenn Sie als Ursache Ihrer Erektionsstörung einen psychischen Grund genannt bekommen: Betroffenheit bis hin zu Unglauben. Hierbei spielen noch immer verbreitete Missverständnisse zu psychischen Belastungen und Erkrankungen eine nicht unwesentliche Rolle.

Dabei ist „psychisch bedingt“ eine völlig wertfreie Beurteilung und meint nicht, dass Sie irgendwie nicht normal seien. Wenn wir uns den Ablauf der körperlichen Reaktionen bis hin zur Erektion wieder vergegenwärtigen, beginnt dieser Prozess mit dem Verarbeiten eines sexuellen Reizes im Gehirn. Dieser Reiz kann vielfältig sein, beispielsweise Berührungen, Worte, der Anblick einer begehrten Person oder auch die Fantasie. Bevor das Gehirn Nervensignale für den weiteren Verlauf bis zur Erektion aussendet, bewertet es auch noch den Reiz. Dafür spielt der Kontext und die Situation, in denen der Reiz empfangen wird, eine wichtige Rolle. Beispielsweise ist am FKK-Strand eine Erektion als nicht erwünscht kodiert, sodass für gewöhnlich keine entsprechenden Nervensignale vom Gehirn weiter ausgehen, die zu einer Erektion führen.

Eine psychische Ursache der erektilen Dysfunktion (ED) liegt somit dann vor, wenn in einer gewünschten Situation das Gehirn die für eine Erektion erforderlichen Nervensignale dennoch nicht aussendet. Der sexuelle Reiz wird vom Gehirn nicht so weiterverarbeitet, wie es eigentlich vorgesehen ist. Dabei sind die spezifischen psychischen Ursachen vielfältig.

Die häufigsten Beispiele für eine psychisch bedingte erektile Dysfunktion

Die psychischen Belastungen, die zu einer Erektionsstörung führen, können aus ganz unterschiedlichen Bereichen stammen. Dennoch ist das weite Feld der Partnerschaftsprobleme einer der häufigsten Gründe einer psychisch bedingten Erektionsstörung. Fehlende, mangelhafte oder negative Kommunikation in der Partnerschaft ist hier ein Beispiel. Das können Streitereien sein, aber auch das Gefühl, mit dem Partner oder der Partnerin ausreichend reden oder Wünsche frei äußern zu können, oder einfach unterschiedliche Interessen führen unter Umständen zu Erektionsstörungen. Dabei muss es auch nicht zwangsläufig um sexuelle Bedürfnisse gehen.

  • Partnerschaftsprobleme
  • unterschiedliche Vorstellungen über die Partnerschaft
  • unrealistische Erwartungen
  • eingefahrene Routine
  • Depressionen
  • Versagensängste

Weitere Beispiele aus dem Bereich Partnerschaftsprobleme sind eingefahrene Routine und mangelnde Zeit füreinander. Wenig gegenseitige Nähe und Kontakt, ein zu ritualisierter Alltag, Unzufriedenheit oder einfach Langeweile können zu Erektionsstörungen führen. Auch wenn die Partner unterschiedliche Vorstellungen für die Partnerschaft verfolgen, beispielsweise in Bezug auf Heirat oder Kinder, kann das beim Mann zu Erektionsstörungen führen. Nicht zuletzt kann auch eine abschwächende Zuneigung füreinander, Eifersucht oder eine Affäre ursächlich an einer erektilen Dysfunktion sein.

Psychische Ursachen aus dem direkten sexuellen Umfeld kann es aber auch geben. Dazu zählen allgemein Versagensängste oder unrealistische Erwartungen – von einem selbst oder der Partnerin. Sexuelle Unerfahrenheit oder Beziehungsunerfahrenheit können ebenfalls zu Erektionsstörungen führen. In einigen Fällen können Erektionsstörungen als Begleitumstand einer neuen Beziehung auftreten. Eine bislang ungeklärte sexuelle Orientierung kann ebenfalls zu einer erektilen Dysfunktion beitragen.

Nicht zuletzt können schwerwiegende psychische Erkrankungen oder Belastungen zu Erektionsstörungen führen. Bei Depressionen sind Erektionsstörungen eine häufige Begleiterscheinung. Bei traumatischen sexuellen Erfahrungen ist eine erektile Dysfunktion ebenfalls nicht ungewöhnlich. Weitere psychische Gründe können in Stress und Belastungen außerhalb des partnerschaftlichen oder sexuellen Umfelds liegen, beispielsweise Angst um den Arbeitsplatz, Mobbing oder finanzielle Probleme.

Psychische Ursache nicht einzeln verantwortlich für Erektionsstörungen

Nach aktuellem medizinischen Stand wird davon ausgegangen, dass eine erektile Dysfunktion (ED) multifaktoriell bedingt ist. Das heißt, die Ursache einer Erektionsstörung lässt sich allgemein nicht nur auf einen Umstand zurückführen, sondern es sind immer mehrere Dinge für eine erektile Dysfunktion verantwortlich. Insbesondere ist eine klare Unterscheidung zwischen psychischen und organischen Ursachen einer Erektionsstörung in der Regel nicht möglich. Ist beispielsweise die Erektionsstörung anfänglich rein organisch bedingt gewesen, sorgen zum Beispiel Versagensängste dafür, dass die erektile Dysfunktion verstärkt wird und das Problem länger andauert. Betroffene können hier schnell in einen Teufelskreis geraten, aus dem sie alleine nicht mehr hinauskommen.

Die Erfolgschancen, eine psychische Ursache für eine erektile Dysfunktion erfolgreich zu überwinden, stehen sehr gut.

Die Erfolgschancen, eine psychische Ursache für eine erektile Dysfunktion erfolgreich zu überwinden, stehen sehr gut. Bei organischen Ursachen kann es gegebenenfalls sein, dass die Ursache der Erektionsstörung nicht behoben werden kann – das ist bei psychischen Ursachen grundsätzlich anders. Diese sind immer behandelbar. Daher müssen Sie auch keine Angst vor psychisch bedingten Erektionsstörungen haben – diese können überwunden werden.