Der Penis als Frühwarnsystem

In Fragen der Gesundheit sind Männer auch heute noch von der Einstellung geprägt, allein und ohne ärztliche Hilfe zurechtzukommen. Während viele Frauen somit bewusst auf ihre Gesundheit achten, suchen Männer in vielen Fällen erst dann medizinische Hilfe, wenn es gar nicht anders mehr geht. Auch das ist ein wesentlicher Grund, warum die Lebenserwartung bei Männern einige Jahre unter der von Frauen liegt. Diese Haltung einer falschen Männlichkeit kann fatale Folgen mit sich bringen.

Niemand wird plötzlich chronisch krank

Durch die eigene Fehleinschätzung ignorieren viele Männer krankheitsbedingte Symptome und auch Vorsorgeuntersuchungen nehmen sie deutlich weniger wahr als Frauen. Gefährliche und chronische Erkrankungen werden so oft nur zufällig bei einer ärztlichen Untersuchung entdeckt, die dann doch einmal stattfindet. Dabei leidet niemand von heute auf morgen an Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, einer koronaren Herzerkrankung, Atherosklerose oder einem Problem mit dem Fettstoffwechsel.

Diese Form der Erkrankungen entwickeln sich erst im Laufe der Zeit, oft über Jahre hinweg, und zeigen sich meist schon früh – wenn auf die Symptome und Anzeichen geachtet wird. Zudem ignorieren Männer öfter Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel oder Zigaretten- und Alkoholkonsum. So werden geringe Beschwerden gerne abgetan und als nicht wichtig eingestuft – eine potenziell schwerwiegende Fehleinschätzung. Dabei hat der Mann ein Frühwarnsystem: Sein Penis kann ihm nämlich schon frühzeitig über seinen Gesundheitszustand verraten. Tritt eine erektile Dysfunktion (ED) auf, kann diese ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein.

Das metabolische Syndrom

Für die oben genannten Erkrankungen bestehen Risikofaktoren, die als metabolisches Syndrom zusammengefasst werden. Wenn Sie mindestens drei der nachfolgenden Faktoren aufweisen, unterliegen Sie einem erhöhten gesundheitlichen Risiko: bauchbetontes Übergewicht, Störungen des Fettstoffwechsels, erhöhter Blutzucker (nüchtern) sowie erhöhter Blutdruck (siehe auch die Infobox). Folgen sind ein höheres Risiko auf Herzinfarkt, Schlaganfall und Angina pectoris.

Bei diesen Gesundheitsrisiken sind stets die Blutgefäße betroffen, beispielsweise in der Form von Durchblutungsstörungen. Die betreffen nicht nur das Herz oder die Beine, sondern eben auch Ihren Penis und die Erektionsfähigkeit. Damit haben Sie ein „Frühwarnsystem Penis“, das Ihnen mögliche gesundheitliche Probleme früh- und oft auch rechtzeitig anzeigt. Hören Sie also auf Ihren Penis – bei einer erektilen Dysfunktion suchen Sie einen Arzt auf und lassen Sie unbedingt die Ursache ergründen. Es könnte Ihr Leben retten.

Zusammenhänge zwischen Erektionsstörungen und Krankheiten sind gut belegt

Dass Ihr „Frühwarnsystem Penis“ gut funktioniert, ist in diversen wissenschaftlichen Studien gut belegt. Die erektile Dysfunktion ist ein häufiger Begleitumstand vieler Krankheiten (Seftel 2004). Dabei wurde auch eindeutig erforscht, dass Erektionsstörungen nicht nur in der Folge von bestimmten Erkrankungen auftreten, sondern auch als erstes Symptom.

So ist die erektile Dysfunktion bei gut 70 Prozent der von einer koronalen Herzerkrankung betroffenen Männer als erstes Anzeichen aufgetreten (Montorsi 2003a). Sind die Erkrankten vergleichsweise jung (zwischen 40 und 50 Jahren), ist der Zusammenhang sogar noch stärker. Umgekehrt sind etwa 40 Prozent der Männer, die unter einer durchblutungsbedingten erektilen Dysfunktion leiden, auch von einer Verengung der Herzkranzgefäße betroffen (Wirth 2007). Bei zehn bis 15 Prozent wird Diabetes Typ 2 oder eine Vorstufe hierzu festgestellt (Wirth 2007).

Die erektile Dysfunktion kann bereits einige Jahre vorher schwere gesundheitliche Probleme anzeigen. Nicht selten tritt sie deutlich vor anderen Symptomen wie Brustschmerzen (insbesondere unter Belastung) auf – bis zu zwei bis drei Jahren. Bei einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall kann die erektile Dysfunktion bis zu fünf Jahre vorher auftreten (Jackson 2010). Dieses große Zeitfenster kann dazu genutzt werden, die Risikofaktoren zu verringern und so eine Herzerkrankung zu stoppen oder wenigstens zu verzögern.

Auch weitere Krankheiten kann das Frühwarnsystem Penis anzeigen. Eine erektile Dysfunktion als Symptom ist nicht untypisch für Bluthochdruck, Störungen im Fettstoffwechsel oder Hormonstörungen. Auch bei einer Schilddrüsenunter-
oder -überfunktion können Erektionsstörungen auftreten sowie bei einer Schlafapnoe. Seltene Erkrankungen wie die Multisystematrophie (MSA) haben ebenfalls häufig eine erektile Dysfunktion als Symptom.

Fazit: Hören Sie auf Ihr Frühwarnsystem Penis

Da eine anhaltende erektile Dysfunktion ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein kann, sollten Sie unbedingt die Ursachen hierfür bei einem Arzt abklären lassen. Eine möglichst frühzeitige Klärung der Ursache verringert Ihr gesundheitliches Risiko. Liegt bei Ihnen eine erektile Dysfunktion vor, sagt Ihr Penis Ihnen, das irgendwas nicht stimmt – sei es körperlich oder psychisch. Suchen Sie am besten einen kompetenten Facharzt (Urologe oder Androloge) auf, der Ihnen nicht nur ein Potenzmittel verschreiben will, sondern mit Ihnen ernsthaft auf Ursachenforschung geht. Nur so minimieren Sie die gesundheitlichen Folgen einer möglichen ernsthaften Erkrankung.


Literatur

Erektionsstörungen als erstes Anzeichen einer gefährlichen Krankheit sind Thema vieler Studien – hier listen wir eine Auswahl auf.

  • Ärzte Zeitung vom 22.10.2009: Metabolisches Syndrom definiert.
    Im Internet: Artikel.
  • Jackson, G. et al. (2010):
    Erectile dysfunction and coronary artery disease prediction: evidence-based guidance and consensus.
    The International Journal of Clinical Practice, Volume 64, Issue 7, Pages 848-857.
    Im Internet: Artikel (pdf-Datei)
  • Montorsi, F. et al. (2003a):
    Erectile dysfunction prevalence, time of onset and association with risk factors in 300 consecutive patients with acute chest pain and angiographically documented coronary artery disease.
    European Urology Volume 44, Issue 3, Pages 360-365
    Im Internet: Artikel (pdf-Datei)
  • Montorsi, P.; Montorsi, F.; Schulman, C.C. (2003b):
    Is Erectile Dysfunction the „Tip of the Iceberg“ of a Systemic Vascular Disorder?
    European Urology Volume 44, Issue 3, Pages 352-354
    Im Internet: Artikel (pdf-Datei)
  • Seftel, A.D.; Sub, P.; Swindle, R. (2004):
    The Prevalence of Hypertension, Hyperlipidemia, Diabetes Mellitus and Depression in Men with Erectile Dysfunction
    The Journal of Urology Volume 171, Issue 6, Pages 2341-2345
    Im Internet: Zusammenfassung
  • Wirth, A.; Manning, M.; Büttner, H. (2007):
    Metabolisches Syndrom und erektile Dysfunktion – Epidemiologische und pathogenetische Zusammenhänge
    Der Urologe, Band 46, Heft 3, Seite 287-292
    Im Internet: Zusammenfassung