Behandlung (Therapie) der erektilen Dysfunktion: Yohimbin

Lange vor der Zulassung von Viagra gab es mit Yohimbin ein Mittel, das zur Behandlung gegen die erektile Dysfunktion (ED) eingesetzt wurde. Vor Viagra war Yohimbin gar das meistverschriebene Medikament gegen die erektile Dysfunktion – auch mangels Alternativen bei der medikamentösen Behandlung zu der Zeit. Dennoch können Medikamente auf Basis von Yohimbin eine gute Wirkung erzielen. Bis heute wird daher Yohimbin vor allem bei der psychisch bedingten erektilen Dysfunktion verschrieben und im geringeren Umfang auch bei leichten organisch bedingten Erektionsstörungen.

Welche Medikamente nutzen Yohimbin?

Der Wirkstoff Yohimbin wird aus der Rinde des Yohimbe-Baums gewonnen, der vor allem in Kamerun (Zentralafrika) vorkommt. Heute findet sich Yohimbin vor allem in zwei Medikamenten wieder: in Yocon-Glenwood des Pharmaherstellers Glenwood sowie in Yohimbin Spiegel des Produzenten DESMA. Die beiden Medikamente führen den Wirkstoff unter den Namen Yohimbin-Hydrochlorid, da er entsprechedn in dieser Form aufbereitet wird. Yocon-Glenwood und Yohimbin Spiegel gibt es in Tablettenform, jede Tablette enthält fünf Milligramm des Wirkstoffes.

Darüber hinaus ist Yohimbin in deutlich geringeren Dosierungen in diversen Mitteln enthalten, die nicht rezeptpflichtig sind. Yohimbin als Bestandteil in diesen Mitteln soll der sexuellen Stimulation dienen. Diese Mittel sind frei verkäuflich und Sie können sie in der Apotheke, in Drogerien oder Sex-Shops erhalten. Aufgrund der geringen Menge an Yohimbin in diesen Mitteln sind diese sicherlich nicht geeignet für eine Behandlung der erektilen Dysfunktion.

Ob sie überhaupt eine Wirkung zeigen, ist nicht bekannt, da bislang keine Klinischen Studien hierzu durchgeführt wurden.

Wie wirkt Yohimbin?

Yohimbin zählt zu den sogenannten Alpha-2-Rezeptorenblockern. Es wirkt unmittelbar auf das zentrale Nervensystem und das autonome Nervensystem. Es setzt also früh im biologischen Prozess der Erektion an. Dazu wirkt Yohimbin auch auf das Gewebe und die glatten Gefäßmuskelzellen der Schwellkörper im Penis. Daher ist die Anwendung bei einer psychisch bedingten und leichten organisch bedingten erektilen Dysfunktion sinnvoll. Liegen Ihre Erektionsstörungen in einer nicht leichten organischen Ursache begründet, ist die Einnahme von Yohimbin dagegen nicht hilfreich.

Wie wird Yohimbin angewandt?

Yohimbim wird aus der Rinde des Yohimbe-Baums gewonnen.

Medikamente mit dem Wirkstoff Yohimbin müssen regelmäßig und unabhängig von einem anstehenden oder nicht anstehenden Geschlechtsakt eingenommen werden. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Medikamenten, die PDE5-Hemmer nutzen, wie beispielsweise Viagra. Wenn Sie Yohimbin verschrieben bekommen, ist die empfohlene Dosis meist dreimal zehn Milligramm täglich. Manche Ärzte empfehlen allerdings keine regelmäßige Einnahme, sondern das Einnehmen von zwei bis drei Tabletten etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr.

Bei der regelmäßigen Einnahme können Sie mit einer Verbesserung Ihrer Erektionsfähigkeit nach etwa 14 Tagen rechnen. Sie müssen sich somit ein wenig in Geduld üben. Die Einnahme sollte zudem mindestens sechs Wochen durchgängig erfolgen. Wenn nach vier Wochen der Einnahme keinerlei Besserung eintritt, sollten Sie in Rücksprache mit Ihrem Arzt zu einer anderen Behandlungsmethode wechseln.

Gibt es Nebenwirkungen bei der Einnahme?

Für die genauen Risiken bei der Einnahme von Yohimbin lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten und lesen Sie zudem auch unbedingt den Beipackzettel des Medikaments. Bekannte Nebenwirkungen, die auftreten können, sind Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Erbrechen oder Übelkeit, sowie neurologische Symptome wie Angst, Schlafstörungen, Nervosität oder ein gesteigerter Bewegungsdrang und Unruhe. Daneben zählen zu den möglichen Nebenwirkungen (leichte) Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzrasen (Tachykardie), Herzrhythmusstörungen oder Veränderungen des Blutdrucks.

In Bereich der Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen müssen Sie vorsichtig sein, wenn Sie trizyklische Antidepressiva einnehmen. Yohimbin kann zu einer verstärkten Wirkung des Antidepressivums führen. Ebenfalls ist Vorsicht geboten, wenn Sie Bluthochdruckmittel einnehmen oder unter Bluthochdruck leiden. Nehmen Sie ein Bluthochdruckmittel mit dem Wirkstoff Clonidin ein, wird die Wirkung durch Yohimbin aufgehoben. Umgekehrt hebt Clonidin die Wirkung von Yohimbin ebenfalls auf.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Seit der Gesundheitsreform von 2004 (Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung) werden sämtliche Arzneimittel, die zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt werden, nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Das gilt leider auch für Medikamente mit dem Wirkstoff Yohimbin. Wenn Sie privat krankenversichert sind, hängt die Kostenübernahme von den Vertragsinhalten ab – viele private Krankenversicherungen übernehmen aber die Kosten für Arzneimittel gegen die erektile Dysfunktion.


Weitere Informationen

Yohimbin ist auch Bestandteil von vielen nicht rezeptpflichtigen Mitteln, die in Apotheken, Drogerien oder Sex-Shops erhältlich sind. Allerdings ist dabei die Dosierung sehr gering. Klinische Studien über die Wirksamkeit dieser Mittel existieren in der Regel nicht.

Bei der Erstellung dieser Seite haben wir uns auf folgende medizinische Fachliteratur gestützt:

  • E. Ernst, M.H. Pittler:
    Yohimbine for erectile dysfunction: A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials
    The Journal of Urology, Vol. 159, February 1998, Seite 433-436
  • H. Porst:
    Manual der Impotenz, Erektions-, Ejakulations- und Hormonstörungen, Peniserkrankungen, weibliche Sexualstörungen
    Uni-Med-Verlag Bremen 2000, ISBN 3-89599-455-3
  • T. Schneider, H. Sperling, H. Rübben:
    Apomorphin und Yohimbin als zentrale Substanzen zur Therapie der erektilen Dysfunktion
    Sexuologie, Band 10 (2003), No. 1, Seite 27-32
  • C.G. Stief, U. Hartmann, M.C. Truss, U. Jonas:
    Zeitgemäße Therapie der erektilen Dysfunktion
    2. aktualisierte und ergänzte Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 2002, ISBN 3-540-42443-1

Ein geschichtlicher Rückblick ist in folgendem Aufsatz zu finden: