Schwellkörper-Implantate – Behandlung der erektilen Dysfunktion

Schwellkörper-Implantate – auch Penis-Implantate genannt – sind nur dann in Betracht zu ziehen, wenn alle anderen Behandlungsmethoden der erektilen Dysfunktion nicht wirken oder aus medizinischen Gründen ausgeschlossen werden müssen. Die Schwellkörper-Implantate sind somit die letzte Möglichkeit für ein erfolgreiches Vorgehen gegen die erektile Dysfunktion – auch weil sie einen operativen Eingriff erfordern.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Implantaten: biegsame (semi-regide) und aufpumpbare Implantate. Bei beiden Varianten wird in die Schwellkörper operativ ein Kunststoffzylinder eingebracht, mit dessen Hilfe dann eine Erektion erzeugt werden kann. Durch die erforderliche Operation werden die Schwellkörper zerstört, die Orgasmusfähigkeit und die Fähigkeit zum Samenerguss bleiben aber erhalten. Ihre Zeugungsfähigkeit wird durch ein Schwellkörper-Implantat somit nicht beeinträchtigt. Der vor allem in den Medien genutzte Begriff Penis-Prothese für diese Behandlungsmethode ist somit in mehrfacher Hinsicht Unsinn.

Wie funktionieren die biegsamen (semi-regiden) Schwellkörper-Implantate?

Bei biegsamen Implantaten wird ein semi-fester Kunststoffzylinder genutzt. Für den anstehenden Geschlechtsverkehr wird der Penis mit dem Implantat einfach nach oben gebogen, danach einfach wieder nach unten. Das Implantat kann seine Ausdehnung nicht verändern, damit bleibt auch der Penis immer gleich lang und gleich dick – Sie können Ihren Penis mit dem Implantat nur in seiner Stellung verändern.

Dass der Penis immer eine gewisse Steifigkeit besitzt, ist gleichzeitig der größte Nachteil der semi-regiden Schwellkörper-Implantate. Enge Hosen, vor allem Badehosen, oder in der Sauna ist dieser Umstand deutlich erkennbar und kann für andere missverständlich wirken. Dafür sind semi-regide Schwellkörper-Implantate einfacher in den Penis zu operieren als aufpumpbare Modelle. Die einfache Konstruktion macht es zudem unwahrscheinlicher, dass ein technischer oder materialbedingter Defekt am Implantat auftritt. Dennoch finden biegsame Implantate heute kaum noch Anwendung.

Wie funktionieren die aufpumpbaren (hydraulischen) Schwellkörper-Implantate?

Heute werden in der Regel hydraulische Schwellkörper-Implantate genutzt. Sie bestehen aus drei Teilen: den Kunststoffzylindern, die in die Schwellkörper eingesetzt werden, einer Pumpe, die im Hodensack platziert wird, sowie einem Flüssigkeitsbehältnis, das im Bauchraum unterkommt. Vor dem Geschlechtsverkehr wird mit wenige Handgriffen die Flüssigkeit in die Zylinder gepumpt und eine Erektion entsteht. Der Penis nimmt durch das Aufpumpen der Zylinder an Umfang zu und bei einigen Modellen auch in der Länge. Über ein Ventil kann die Flüssigkeit zurück in das Behältnis gebracht werden und die Erektion klingt wieder ab.

Aufpumpbare Schwellkörper-Implantate bilden eine natürliche Erektion sehr gut nach. Die Operationsnarbe ist zudem kaum sichtbar – die Teile werden über die gleiche Stelle eingebracht – ein Sauna- oder FKK-Strandbesuch können Sie so völlig ungezwungen angehen.

Im Vergleich zu den biegsamen Implantaten erfordern hydraulische Penis-Implantate eine aufwändigere Operation. Der Chirurg sollte hier mehr Erfahrung mitbringen. Die ganze Operation dauert etwa eine Stunde und Sie müssen danach etwa eine Woche in der Klinik verbleiben.

Zudem sind die Gefahren eines technischen Versagens bei hydraulischen Implantaten im Vergleich höher. Die verwendeten Modelle sind schlicht komplexer als die biegsamen Zylinder. Das gilt auch für die zweiteiligen Varianten, bei denen das Flüssigkeitsreservoir in der Pumpe oder einem der Zylinder integriert ist. Diese Modelle werden aber nur dann genutzt, wenn ein Einsetzen im Bauchraum nicht möglich ist.

Die Vorteile der aufpumpbaren Schwellkörper-Implantate überwiegen die Nachteile aber deutlich, sodass im Vergleich zu den biegsamen Implantaten lieber auf die hydraulische Lösung zurückgegriffen wird. Betroffene nehmen lieber die wenigen Nachteile der hydraulischen Implantate in Kauf.

Welche Probleme können auftreten?

Sie sollten nicht vergessen, dass unabhängig von der Variante des Implantats, es sich hierbei um eine Operation handelt – und Operationen sind nie ohne Risiken. Neben der Gefahr von Infektionen können bei den Schwellkörper-Implantaten auch mechanische Schwierigkeiten auftreten, die gegebenenfalls eine erneute Operation notwendig machen. Sie sollten sich im Vorfeld der Operation versichern, dass Sie dem durchführenden Arzt vertrauen und dieser über ausreichend Erfahrung verfügt. Mindestens zehn Schwellkörper-Implantationen sollte dieser im Jahr vornehmen.

Aus der Fachliteratur ist bekannt, dass etwa 90 Prozent der Männer mit dem Schwellkörper-Implantat zufrieden sind. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zehn Prozent nicht damit zufrieden sind. Nehmen Sie sich daher ausführlich Zeit, sich umfassend zu informieren und jedes Risiko abzuwägen.

Zu bedenken ist auch, dass Schwellkörper-Implantate stets als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden sollten. Erst wenn alle anderen Behandlungsmethoden gegen die erektile Dysfunktion versagt haben, sollten Sie Schwellkörper-Implantate überhaupt in Betracht ziehen. Oft werden Behandlungsmethoden zu schnell als nicht wirksam abgebrochen oder eine Kombination mehrerer Methoden nicht ausprobiert. Bevor Sie auf eine Implantat-Lösung pochen und die Schwellkörper im Penis unwiederbringlich zerstören, bereiten wir gerne zusammen mit Ihnen ein Arztgespräch vor, indem wir sämtliche Behandlungsmethoden aufzeigen. Gern vermitteln wir auch Kontakte zu Männern, die ein Schwellkörper-Implantat haben, und ihre Erfahrungen mit Ihnen teilen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Im Gegensatz zur Behandlung der erektilen Dysfunktion mit Arzneimitteln ist das Schwellkörper-Implantat eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch private Krankenversicherungen sowie die Beihilfe für Beamte übernehmen im Normalfall die Kosten für ein Schwellkörper-Implantat. Voraussetzung ist die medizinische Notwendigkeit – der einfache Wunsch reicht nicht. Vor der Kostenübernahme wird jeder Einzelfall zudem ausführlich geprüft.


Medizinische Fachliteratur

  • Garber, Bruce B. (2008):
    Inflatable penile prostheses for the treatment of erectile dysfunction: an update.
    Expert Review of Medical Devices, Vol. 5, No. 2, Pages 133-144.

    Im Internet: Zusammenfassung.
    Auf den Internetseiten von Dr. Garber sind Aufnahmen von Operationen und Männer mit Implantat zu sehen.
  • Porst, Hartmut (2000):
    Manual der Impotenz. Erektions-, Ejakulations- und Hormonstörungen, Peniserkrankungen, weibliche Sexualstörungen.
    Kapitel 11: Penisprothetik (Seite 286-306). Bremen: UNI-MED.